Von 0 auf 50 in 5 Jahren (2/2)
Johannes Zenger, Teil 2: Wie aus einer Schul-AG eine Abteilung wird.
Stand: Text von Juni · erstmals veröffentlicht 2026
Die Bambinis des TV Herrnwahlthann posieren für das MannschaftsfotoBild: unbekannt Johannes Zenger ist seit zehn Jahren Übungsleiter und seit 2007 beim TV Herrnwahlthann in der Jugendarbeit aktiv. Er spielt Faustball seit er 4 Jahre alt ist und ist seit 5 Jahren Bundesliga-Schiedsrichter, Bezirksjugendwart und Bezirksfachlehrwart der Oberpfalz. Im Leben außerhalb des Sports ist er Referendar für Englisch/Italienisch an bayerischen Gymnasien und spielt nebenbei gerne noch Volleyball.
Zuerst Teil 1 lesen
Auf den Zetteln mit Tabellen die die Namen, Passnummer, Alter, usw. der Kinder enthielten rückten die ersten „Ausscheider“ aus der U12 immer näher, die Frage nach dem „Und dann?“ wurde immer dringender. Der Kindersegen bei den Aktiven und den Ehemaligen gab den Ausschlag neben dem regulären Trainingsbetrieb auch ein Gruppe für Kindergartenkinder einzurichten, bei uns „Bambinis“ genannt. Mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl versuchen wir die Kleinsten in langsamen Schritten an unseren Sport heranzuführen, wobei Koordination und Ballgewöhnung ausschließlich spielerisch vermittelt werden. Mittlerweile zählen wir bei den Bambinis ca. 15 Kinder, sie sollen den Unterbau darstellen, von dem dann je nach Fertigkeit und Begabung die ersten mit 5 oder 6 Jahren an den Spielbetrieb herangeführt werden.
Leider reichen die Mannschaftszahlen in unserem Bezirk nicht aus um auch eine U10 oder gar eine U8 auszuschreiben, so ist der Aufprall in der Realität bei der U12 leider anfänglich ein sehr harter für die Novizen. Die Feuertaufe für den Verein steht nun kurz bevor, da neben der U12 auch noch in der U14 und bald in der U18 Teams starten werden, hier werden wir schon aus logistischer Sicht einen Quantensprung vollführen müssen, da die Hauptleistung bislang von zwei Übungsleitern erbracht wurde.
Letzten Endes ist eine doppelte Integration von Nöten: die neuen, jungen Sportler müssen, am besten zusammen mit ihren Eltern, in den Verein integriert werden und gleichzeitig muss, zumal wenn in einer Abteilung über längere Zeit keine Jugendarbeit mehr stattfand, eben dieses Projekt „aus Alt mach Neu“ in die Abteilung und den Verein integriert werden. Diesen Schritt zu vollziehen ist uns in Herrnwahlthann sicher (noch) nicht perfekt gelungen. Durch gemeinsame Aktivitäten wie die obligatorischen Feierlichkeiten sowie einen erstmals stattfinden Spieletag, bei dem für die Bambinis bis zu den Senioren alles außer Faustball auf dem Plan steht, hoffen wir aber auch diese unerlässliche Hürde noch zu nehmen. Denn auch wenn der Trainingsbetrieb in komprimierter Form von wenigen Übungsleitern zu leisten ist, an Wochenenden an denen in bis zu drei verschiedenen Jugend-Altersklassen (U12, U14, U18) jeweils Jungs und Mädels an unterschiedlichen Orten spielen kann das Gelingen nur durch den Zusammenhalt eines Kollektivs gewährleistet werden.
Unser Beispiel aber zeigt, dass selbst in dünnbesiedelter Region unser Sport regen Zulauf finden kann, wenn die Zutaten stimmen. Durch finanzielle und infrastrukturelle Faktoren kann sicherlich ein angenehmes Grundgerüst geschaffen werden, die Identifikation jedoch, die nötig ist um die Kinder und Jugendlichen langfristig von den vielen Vorteilen die unser Sport hat zu überzeugen, kann nur durch engagierte und teilweise aufopfernde Trainings- und Vereinsarbeit an der Basis gemacht werden.
Schon jetzt versuchen wir mit Blick nach Vorne den Kindern die Möglichkeit zu geben etwas Verantwortung zu übernehmen. Bei einigen von unseren kleinen Faustballern kann ich mir vorstellen sie schon mit 13 oder 14 Jahren als Unterstützung unter anderem bei den Bambinis einzusetzen und sie so nachhaltig mit dem Faustballsport zu verbinden. Das sportliche Motto„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ hat uns diesen Schritt machen lassen. Wir haben aller Anstrengung zum Trotz vieles gewonnen und können nur aufrufen, egal ob Neu- oder Wiederbeginn – es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Geschrieben von Johannes Zenger